Kinder sollen Kind sein dürfen - Der Jahreskreislauf

Der Waldorfkindergarten ist christlich orientiert, aber nicht konfessionell gebunden. Die christlichen Jahresfeste sind immer wieder kleine Höhepunkte und werden von uns auf eine kindliche Art und Weise vorbereitet, gefeiert und nachbereitet. Damit diese Feste der Seele Nahrung geben und nicht nur Dekoration sind, benötigen sie beim Erwachsenen die Auseinandersetzung mit dem geistigen Hintergrund.

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Wenn wir nun nach den Ferien wieder ankommen genießen wir noch den Spätsommer.

Unser Jahreszeitentisch erstrahlt in einem satten Grün und ist geschmückt mit bunten Blumen. Da in den Ferien und im Sommer das Thema „Wasser „ im Leben der Kinder präsent ist, zeigt sich das auch auf dem Jahreszeitentisch in Form eines blauen Tuches als Teich, auf dem Enten schwimmen oder kleine Schifflein fahren. Auch im Fingerspiel und im Reigen kann sich das Thema „Wasser" fort führen.

Schon bald kündigen sich die Erntedankzeit und das Michaelisfest an. Der Jahreszeitentisch wandelt sich in Gelb und ist mit einer Getreidegarbe geschmückt. Wir backen unser Erntedankbrot.

Den Weg vom Korn zum Brot spielen wir in unserem täglichen Reigen.

Für Michaeli basteln wir bunte Drachen. Lieder vom St. Michael und Herbstlieder erklingen. Das Märchen von der Prinzessin in der Flammenburg lebt zur Michaeli Zeit. Die Kinder bringen Körbchen mit Obst, Gemüse und Blumen mit für unseren Gabentisch.

Werden die Tage kurz,
werden die Herzen hell.
Über dem Herbste strahlt
leuchtend Sankt Michael.
Sankt Michael,
Herr der Zeit!
Du gibst wahres Brot!
Und ein neues Kleid!

An Michaeli ziehen die Kinder und ihre Eltern auf die Wiese und lassen ihre Drachen steigen.

Aus dem Gemüse in unseren Erntekörbchen kochen wir mit den Kindern eine leckere Gemüsesuppe und laden die Eltern zur Erntedankfeier ein.

Die Erntezeit neigt sich dem Ende zu. Die Tage werden immer kürzer und die Laternenzeit kündigt sich an. Der Jahreszeitentisch wandelt sich in rot und trägt eine große Laterne mit einer brennenden Kerze. Im Morgenkreis ziehen die Tiere in die Erde ein. Die ersten Laternenlieder erklingen. Laternen werden gebastelt und wir erzählen die Geschichte vom „Laternenmädchen“.

Am Martinsabend treffen sich die Kinder und Eltern im Kindergarten. Begrüßt werden sie von einem Marionettenspiel. Anschließend tragen wir unsere Laternen in die immer dunkler werdende Welt und lassen das Licht, das uns die Sonne im Sommer geschenkt hat in uns selbst erstrahlen.

Der Dezember hält die Adventszeit für uns bereit. Der Jahreszeitentisch ist in Blau gehalten und trägt einen Krippenberg aus Moos und Tannen auf dem Maria und Josef ihren Weg beschreiten. Wir stimmen die Adventszeit mit dem Adventsgärtlein an. „In tiefer, dunkler Nacht ist ein Stern erwacht…“ Aus Tannenzweigen liegt eine Spirale auf dem Boden, in deren Mitte eine große Kerze brennt. Singend gehen die Kinder in die Spirale und entzünden eine kleine Kerze an der Großen und stellen ihr Licht auf die Spirale, bis diese ganz erleuchtet ist.

Die Adventszeit hat begonnen. Advents- und Nikolauslieder erklingen. Am Nikolaustag werden die Großen vom Nikolaus in unserem großen Saal besucht. Die Kleinen sind in „ihrem Räumchen“. Da klopft es an die Tür und ein Nikolaussack steht davor. Wir durften erleben, dass diese Art zu feiern bei den kleinen Kindern einen großen Eindruck hinterlässt und sie nicht überfordert.

Nach Nikolaus beginnt unser tägliches Krippenspiel, bei dem die Kinder Maria und Josef, Engel, Hirten und Schafe als Rollenspiel spielen.

Aus Bienenwachs kneten die Kinder kleine Krippen. Plätzchenduft zieht durch die Räume. Kurz vor den Ferien werden die Eltern zum Erleben des Krippenspiels eingeladen.

Nach den Weihnachtsferien beginnt die Drei-Königs-Zeit. Nun spielen die Kinder Maria und Josef und die drei Könige, die sich aufmachen, das Kind zu suchen.

„Wir kommen daher aus dem Morgenland….“

Die Königszeit geht zu Ende, wir rüsten uns zur Faschingszeit, die im Kindergarten als Handwerkerfest gefeiert wird. Im Morgenkreis näht der Schneider, schreinert der Tischler, kocht die Köchin „Katharin“, gehen wir zum Schuster „Lederfein“.

Das eigentliche Fest geht über zwei Tage. Der Gruppenraum wird umgeräumt, wir richten Werkstätten ein, z.B. eine Gärtnerei, Schreinerei, Bäckerei….

In jeder Werkstatt hilft ein Erwachsener als Meister den kleinen Gesellen bei der Arbeit. Ein leckeres Frühstück, fröhliche Tänze und das Stabpuppenspiel der Königskinder runden unser Handwerkerfest ab.

Auch der Winter geht mit der Faschingszeit einher und ist oftmals nach Fasching noch nicht zu Ende. Winterlieder erklingen, die Geschichte vom Schneemädchen, Singspiele vom Schneemann leben den Tag.

Doch im März ist der Frühling nicht mehr aufzuhalten. Der Jahreszeitentisch erstrahlt in Grün und trägt helle Frühlingsblumen. Wir erleben im Morgenkreis, dass die Tiere aus der Erde heraus ziehen, die Blumen blühen, die Vögel singen, die Häslein springen. Schließlich kündigt sich der Osterhase an. Wir säen und pflegen unser Ostergras.

Auch beim Feiern der Jahresfeste achten wir auf die besonderen Bedürfnisse und Möglichkeiten der Kleinen. Gehen wir z.B. an Ostern mit den großen Kindern auf die Wiese, um Ostereier zu suchen, bleiben die kleinen auf dem Kindergartengelände und finden dort die Eier.

„Erst wenn der volle Mond erwacht und so rund wie die Sonne lacht,                  

dann kann es auf Erden wieder Ostern werden“

 

Aus Wolle wickeln wir kleine Häslein. Die Geschichten vom Ostermond und den fünf Hasen begleiten uns. Eines Tages ziehen wir hinaus aufs Feld, suchen Ostereier und sammeln sie in einem Korb. Im Kindergarten werden sie mit einem schönen Ritual verteilt und schmücken unser Ostergras.

Der Frühling schreitet voran und schließlich kündigt sich das Pfingstfest an. Der Jahreszeitentisch ist in einem zarten Rosa oder strahlenden Weiß gehalten und trägt einen Strauß aus Birkenzweigen. Über dem Tisch fliegen kleine weiße Tauben. Im Morgenkreis verwandelt sich die Raupe in einen Schmetterling, verlassen die Tauben das Taubenhaus und kehren am Abend zurück.

Am Pfingstfest steht eine große Kerze auf dem Tisch. Jedes Kind darf eine kleine Kerze an der großen Kerze anzünden. Als Pfingstgruß nimmt es einen Birkenzweig mit einem weißen Täubchen mit nach Hause.

„Ei, mein Vögelein, schwingst die Flügelein,

bringst dem Kindlein Sonnenschein,

ei du liebes Vögelein.“

Die Sommerzeit kündigt sich an. Der Jahreszeitentisch ist mit einem strahlenden Gelb und mit Sommerblumen geschmückt.

Als Rollenspiel spielen wir täglich unser Dornröschenspiel und tanzen Sommertänze. Fürs Sommerfest basteln wir kleine Rindenschiffe, Sommerbälle und bunte Schmetterlinge.

Zum Sommerfest sind alle Eltern und Verwandte der Kinder eingeladen. Die Kinder tragen ihr Blumenkränzchen und wir beginnen mit unserem Dornröschenspiel. Bei Kaffee, Kuchen und vergnüglichen Spielen nimmt das Fest seinen Lauf. Nach einem Marionettenspiel, erhalten die Kinder einen Sommerschmetterling, der mit nach Hause fliegen darf.

 

„Durch das Rosentörchen, mein liebes Kind ade,

geh`n wir in den Garten, bis ich dich wieder seh`,

tralalala, tralalala, bis ich dich wieder seh`“

 

 

Das Kindergartenjahr schließt mit dem Abschiedsfest für die künftigen Schulkinder.

Im folgenden Jahr dürfen die Kinder die Jahresfeste mit dem nun veränderten Bewusstsein des größeren Kindes erleben, bis sie selbst schließlich Königskinder sind und von unseren guten Wünschen begleitet in die Schule gehen.

Den großen Jahresrhythmus unmittelbar erleben, mit seinen wechselnden Jahreszeiten, den Höhepunkten und unterschiedlichen Tätigkeiten mit frohen Liedern und Tänzen, rhythmischen Sprüchen und Geschichten, die Natur erleben mit ihrem Werden im Frühling, Wachsen und Blühen im Sommer, Reifen und Fruchten im Herbst, Vergehen und Kargheit im Winter ist wie Seelennahrung für die Kinder und bildet einen wunderbaren Grundstock für das ganze Leben.                                                                                                        

Wir bemühen uns daher jedes Jahr wieder aufs Neue die Jahresfeste in schöner, stimmiger Art und Weise zu begehen.